Erfolgsfaktoren, Teil 1
Von Michael Fortwängler
Als ich im Oktober 1999 beim 2. Erfolgsforum der Birkenbihl-Gruppe in der Köln-Arena saß, war ich einer von 12 000 Teilnehmern. Auf der Bühne waren die prominentesten Motivations- und Erfolgstrainer Europas aufgeboten, plus Hans-Dietrich Genscher und Henry Maske. Das Erfolgsforum wurde von den Veranstaltern als Supermarkt der Erfolgsideen angepriesen, in dem man sich bedienen könne.
Die meisten Trainer dieser Veranstaltung versuchten, das Thema durch extreme Vereinfachung und Reduktion auf wenige Faktoren in den Griff zu bekommen. Die meisten Bücher und Trainingskonzepte zum Thema Erfolg verfahren auch heute noch so.
Wenn es so einfach wäre, dann reichte tatsächlich ein Tagesseminar oder die Lektüre eines Buches, um für immer erfolgreich und glücklich zu sein.
Aus eigener Erfahrung und aus meiner Arbeit mit Klienten weiß ich jedoch, dass es Rezepte mit Erfolgsgarantie nicht gibt. Es lohnt sich jedoch, die Prinzipien und Strategien anzuschauen, die mehr Erfolg versprechen, als andere Vorgehensweisen.
Um erfolgreich zu sein, müssen wir bestimmte Dinge tun und wir müssen bestimmte Dinge lassen. In diesem ersten Beitrag zum Thema beschäftige ich mich daher zunächst mit gängigen Strategien, die wir lassen sollten - weil sie nicht funktionieren.
Über falsche Entscheidungen
Für die Aufnahmeprüfung zum Kampftaucher bei der Bundeswehr wurde vor längerer Zeit den Prüflingen die Aufgabe gestellt, ohne Sauerstoffflaschen in eine enge Röhre zu tauchen und an deren anderem Ende eine Luke zu öffnen, um so wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen.
Was wie ein relativ einfacher Teil der Prüfung aussah, war ziemlich gemein: Als nämlich die Prüflinge die Luke erreichten, mussten sie feststellen, dass sich diese von innen gar nicht öffnen ließ. All jene, die nun in Panik gerieten, weil die Röhre zu eng zum Wenden und Zurück-Schwimmen war, wurden zwar schleunigst aus ihrer misslichen Lage befreit, sie hatten dann allerdings auch die Prüfung nicht bestanden. Jene, die Coolness bewiesen und nicht in Panik verfielen, bis die Luke endlich geöffnet wurde, hatten bestanden.
Obwohl jeder Leser - von einem sicheren Platz am Schreibtisch aus - sofort nachvollziehen kann, dass Panik keine Reaktion ist, die in Gefahrensituationen die Überlebenschancen vergrößert, werden sich vermutlich nicht allzu viele ganz sicher sein, in der oben beschriebenen Situation zu den „Coolen” zu gehören. Obige Prüfung war darauf angelegt, genau jene zu selektieren, die aufgrund ihrer psychischen Disposition gelassen und umsichtig bleiben können und damit die Voraussetzung besitzen, um auch in realen Extremsituationen angemessen zu handeln.
In unbekannten, ungewohnten oder gar gefährlichen Situation, verfallen Menschen oft in irrationale Denk- und Handlungsweisen oder zumindest antizipieren sie die Wirkungen ihrer Handlungen nicht in ausreichendem Maße. Ein paar Beispiele aus dem wirklichen Leben: Read more »
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